Widerstand! Welcher Widerstand?

Es waren andere Zeiten, als wir unsere Band „Zero Defex“ gründeten. Unsere Szene war wirklich noch Untergrund. „Scene Magazin“ das lokale und kostenlose Szenemagazin führte unsere Vorführungen meistens nicht einmal auf, weil wir selbst für deren Untergrund-Leserschaft zu untergründig waren. Schon bemerkt, dass heutzutage in den USA selbst CNN und Hillary Clinton Teil des „Widerstands“ sind? In der Reagan-Ära gab es dafür keinerlei Anzeichen. Nicht die geringsten.

Ich sitze hier und versuche mir gerade vorzustellen, wie das gewesen wäre, hätten sich damals Rosalyn Carter, Jimmy Carters Ehefrau oder Betty Ford, die Gattin von Gerald Ford, öffentlich gegen Ronald Reagan gewandt. Oder wenn sich ein Fernsehsender wie CNN mit seiner Reichweite sich die Regierung von Reagan als Zielscheibe gewählt hätte. Hätten wir dann überhaupt noch unsere Songs geschrieben? Ich bezweifele das. Vielleicht wären wir dann eine lustige, fetzige Pop-Rock-Band geworden wie „Weezer“.

Damals ein Punk gewesen zu sein war ziemlich anders als heute Punk zu sein. Und ich meine mit „Punk“ nicht nur die Musik oder die Kleidung: Ich meine die ganze Gesinnung.

Heutzutage ist der Untergrund der Mainstream. Der ironischerweise so tut, als wäre er noch Untergrund. Sie tun so, als würden sie gegen das Establishment kämpfen. Aber, wenn man die Clintons und CNN und jedes wichtige Medienunternehmen und jeden A-Promi auf seiner Seite hat, dann kämpft man nicht mehr gegen das Establishment – dann ist man das Establishment.

Gegen das System zu sein, ist einfach das neue System. Dieser Trend hat, nebenbei erwähnt, schon deutlich vor Trump angefangen, aber seit seiner Wahl ist er durch die Decke geschossen. Ich habe dem Establishment noch nie getraut und tue das auch heute noch nicht.

Könnt ihr euch noch an die Tumulte erinnern, als sich vor gefühlten Ewigkeiten Kathy Griffin mit dem abgetrennten Kopf von Donald Trump – aus Gummi – fotografieren ließ? Das ist genau 14 Tage her, während ich das hier schreibe. Aber in diesem ununterbrochenen Nachrichtenzirkus fühlt es sich, wenn man über dieses Foto von Kathy Griffin redet, an als würde man über den Untergang der Titanic sprechen.

Als ich dieses Foto zum ersten Mal sah, dachte ich mir: Was soll’s? Als ich 18 Jahre alt war, hatte ich bereit so viele Bilder gesehen in denen Ronald Reagan geköpft, gekreuzigt, verbrannt oder zu Tode geprügelt dargestellt war, dass es mir schon völlig schnurz war.

Aber es ist halt auch etwas völlig anderes, wenn man in seinem fotokopierten Punk-Heftchen mit einer Auflage von ca. 200 Kopien einen Cartoon mit Reagan’s abgetrennten und aufgespießtem Kopf veröffentlicht. Wenn man dagegen Kathy Griffin ist, eine der Top-Komiker des Landes mit einem riesigen Publikum und einem Bankkonto, dann ist es leichter, Millionen Menschen zu erreichen.

Vor zehn Jahren, am Anfang meiner Karriere, wurde ich als exzentrischer Rebell vermarktet. Das war zwar nicht wirklich gelogen, aber übertrieben war es allemal. Heute respektiere ich sowohl das System als auch die, die sich dagegen auflehnen. Habe ich eigentlich immer, bloß habe ich das früher nicht so gut verstanden.

Das „faschistische System“ gegen das ich mich als junger Mann auflehnte, war es auch, das mir diese Rebellion überhaupt ermöglichte. Ohne Gesetze, Regierung und einen gewissen Sinn für Ordnung hätte ich wahrscheinlich nicht einmal überlebt. In einer wirklichen Anarchie herrscht das Recht des Stärkeren, die Schwachen werden überrannt und bald etabliert sich im Macht-Vakuum ein neuer Faschismus. Ich gehörte, mit ziemlicher Sicherheit, zu den Schwachen, die ins Gras gebissen hätten.

Diese Leute, die sich Antifa nennen – Antifaschisten – sind in Wahrheit gar nicht gegen den Faschismus, sondern dafür. Sie sind nur frustriert, dass sie nicht an der Reihe sind, den Faschismus, den sie gerne hätten, umzusetzen. Es ist so offensichtlich unecht, dass es schon wieder zum Lachen ist.

Trotzdem. Ich mag Donald Trump nicht.

Habe ich das jetzt oft genug betont? Wahrscheinlich nicht. Ich bin von seiner Präsidentschaft völlig unbeeindruckt und seine Wahlkampagne war einfach hässlich. Ich habe gehrt, dass Dwayne „The Rock“ Johnson plant, sich 2020 aufstellen zu lassen. Und warum auch nicht? Ein Wrestler als Präsident kann auch nicht mehr lächerlicher sein als ein Präsident Trump.

Trotzdem. Sich diesem sogenannten „Widerstand“ anzuschließen, würde sich so anfühlen, wie zu den Alphamännchen meiner Jugend gehören zu wollen, die immer vor dem Supermarkt rumgehangen sind. Jeder wollte das. Es war schwer angesagt. Es wäre eben genau das, was man tut, wenn man von den coolen Kids in der Schule akzeptiert werden will. Scheiß drauf!

Das Schräge am dem Mainstream von heute ist, dass er sich als rebellisch und alternativ verkleidet. Das hat der alte Mainstream nicht gemacht. Der war in diesem Punkt ehrlicher. In den Achtzigern hätte niemand gedacht, es wäre avantgardistisch, exakt die Meinung, die in allen wichtigen Fernsehsendern zum Besten gegeben wird, einfach nachzuplappern. Wenn man das heute so beobachtet, fühlt sich das doch sehr seltsam an.

Ich will damit nicht sagen, dass wir damals irgendwie besser gewesen wären. Ich weiß nicht, ob wir das waren. Gut möglich, dass wir nur ein Haufen Trottel waren. Schließlich waren wir fest davon überzeugt, dass die Welt spätestens 1985 in einer atomaren Apokalypse endet. Hat sie aber nicht.

Aber ich konnte schon immer ganz gut erkennen, ob jemand wirklich die bestehende Gesellschaftsordnung ablehnt oder nur so tut, als würde er die bestehende Gesellschaftsordnung ablehnen, weil das cool ist. Das konnte man eine Meile gegen den Wind riechen. Kann ich immer noch. Bloß, dass ich jetzt nicht mehr nach solchen Typen Ausschau halten muss. Denn sie sind überall, besonders in meiner Nachbarschaft.

Wenn man die Geschichte des Zen so anschaut, dann waren es immer diejenigen, die die herrschenden Strukturen ablehnten, die sich besonders von ihm angezogen fühlten. Die rebellierten nicht, weil es cool war, ein Rebell zu sein. Sie rebellierten, weil sie nicht anders konnten. Ich bin mir ziemlich sicher, hätten sie die Wahl gehabt, hätten sie sich lieber dem Mainstream angeschlossen. Das ist so viel bequemer. Genauso wie es bequemer ist, sich heute dem Mainstream anzuschließen, der so tut als wäre er gegen den Mainstream. Hey, ich hätte mich auch den coolen Kids vor dem Supermark angeschlossen, wenn die mich gelassen hätten!

Wenn ich dann sehe, wie sich massenweise buddhistische Lehrer genau dem verbunden fühlen, was ihnen die Massenmedien vorsetzen, stellt sich mir schon die Frage, wie weit deren Verständnis und Hingabe für den Buddhismus wohl reicht. Vielleicht glauben sie rein zufällig genau an das wie alle anderen. Wenn das so ist, dann ist es in Ordnung. Aber ich frage mich halt schon…

Das soll alles nicht bedeuten, dass wir alle jetzt Cowboyhüte mit „Make America Great Again“-Aufnähern tragen sollten um laut zu skandieren: „Hillary in den Knast!“ oder „Die Mauer muss her!“ Es ist nicht so, dass es nur schwarz und weiß gäbe.

Ich wäre nur von den gegenwärtigen führenden Köpfen des Buddhismus weitaus mehr beeindruckt, wenn sie mehr zuhören würden und weniger rumbrüllen. Es wäre beeindruckender, würden sie ihren eigenen Weg finden, statt nur der Masse hinterher zu laufen.