Wäre es besser, wäre ich nie geboren?

Vor einigen Tagen hat mir jemand einen Artikel vom New Yorker mit dem Titel „The Case for Not Being Born“ zugeschickt. Es handelt von einem Kerl namens David Benatar, er schrieb ein Buch namens „Better Never to Have Been Born: The Harm of coming Into Existense.“

Das Buch selbst habe ich nicht gelesen, nur den Artikel über das Buch. Daher gehe ich nur darauf ein was in dem Artikel steht. Wenn das unfair gegenüber Herrn David Benatar oder seinem Buch erscheint, möchte ich mich entschuldigen.

In dem Artikel steht: „Benatar ist der Meinung dass Fortpflanzung  grausam und unverantwortlich ist… denn das Leben an sich ist von Übel durchzogen. Aus diesem Grund findet er, dass die Welt ein besserer Ort wäre wenn fühlende Wesen komplett verschwinden würden.“

Des weiteren besagt der Artikel: „Nic Pizzolatto, der Drehbuchautor von „True Detective“ hat das Buch gelesen und aus Rust Cohle, Matthew McConaughey’s Charakter, einen nihilistischen Anti-Natalisten gemacht. („Ich denke das Menschliche Bewusstsein ist ein tragischer Fehltritt der Evolution“ sagte Cohle.)

Laut dem Artikel hat Herr Benatar eine lange Liste an Leidensgeschichten die beweisen sollen, dass selbst das Leben glücklicher Personen schlimmer ist als sie glauben. Er schreibt: „Wir sind fast immer hungrig oder durstig und wenn nicht müssen wir zur Toilette, es ist uns entweder zu heiß oder zu kalt oder wir sind müde aber schaffen es nicht ein Nickerchen zu machen. Wir leiden an Juckreiz, Allergien und Erkältungen, Menstruationsproblemen oder Hitzewallungen. Das Leben ist eine Ansammlung von Frustrationen und Irritationen  – im Stau stehen, in einer Reihe anstehen, Formulare ausfüllen. Gezwungen sein arbeiten zu müssen, unsere Jobs finden wir oft zu anstrengend, selbst Leute die ihren Job gerne machen haben berufliche Ambitionen die sie niemals realisieren können.

Als der Autor des Artikels fragt wie man die Welt zu einem besseren Ort machen könnte, antwortet Herr Benatar: „Das wird niemals passieren, wir lernen scheinbar nie aus unseren Fehlern. Vielleicht lernt gelegentlich eine einzelne Person dazu, aber man sieht immer noch diesen Wahnsinn um sich herum.

Naja…

Es scheint mir als kenne Herr Benatar Buddhas erste edle Wahrheit, trotzdem scheint er nicht zu wissen, dass Buddha über diese Dinge schon vor über 2500 Jahren gesprochen hat. Buddha sagte, „Geburt ist Leiden, Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, mit Ungeliebten vereint sein, von Geliebten getrennt sein, nicht erreichen, was man begehrt – all das ist Leiden. Kurzgesagt die fünf Daseinsgruppen des Anhaftens bedeuten Leiden. Buddha sagte sogar, zu bekommen was man begehrt bedeutet Leiden, denn du wirst diese Sache irgendwann wieder verlieren.

Der Unterschied zwischen Buddha und Herr Benatar ist, dass Buddha es nicht beim Leiden beließ sondern die Ursache für das Leiden analysierte und einen Vorschlag mache etwas dagegen zu unternehmen.

Ich persönlich nehme nicht alles auf bare Münze. Auch nicht Buddhismus. Ich sage nicht das Buddha recht hatte und David Benatar dahin soll wo der Pfeffer wächst. Ich denke das man sich mit der Sache etwas mehr auseinander setzen sollte.

Ohne Buddhismus würde ich so denken wie David Benatar. Seine Gefühle spiegeln meine eigenen wieder, jedenfalls in den ersten Jahren meines Lebens. Ich ärgerte mich darüber am Leben zu sein. Und dieses Ärgernis wurde noch stärker nachdem mir gesagt wurde, dass ich eine schlimme genetische Erbkrankheit in meiner Familie habe und sich meine Eltern trotzdem dazu entschieden mich in die Welt zu setzen. Obwohl ihnen bewusst war, dass ich eventuell einen Großteil meines kurzen Lebens mit Qual und Schmerzen zubringen könnte. So wie es meiner Großmutter widerfuhr oder meiner Mutter, bei der es nur ein paar Jahre nachdem sie mir davon erzählten anfing.

Was zur Hölle?

Nachdem ich darüber Bescheid wusste traf ich die Entscheidung niemals eigene Kinder zu haben. Aber selbst eine Person die ein solches Schwert über sich hängen hat muss oft denken, dass es eine Tragödie ist geboren zu sein.

Was ich hier aber ansprechen möchte ist die Idee von der kosmischen Wichtigkeit fühlenden Lebens. Ist das Menschliche Leben auf kosmischer Ebene ohne Bedeutung? Leben wir in einem gleichgültigen Universum, dass blind und ohne Zweck von natürlichen Kräften geformt wird? Ist das menschliche Bewusstsein ein tragischer Fehler?

Ich glaube nicht.

Zum größten Teil basieren meine Gefühle auf Dinge, die ich durch intensive buddhistische Praxis erlebt habe. Was wir Bewusstsein nennen ist eine fundamentale Kraft in unserem Universum. Bewusstsein ist ein abgedroschenes Wort dafür, aber wir haben nur dieses Wort. Es ist so fundamental wie Gravitation, Elektromagnetismus, starke und schwache Kräfte nuklearer Anziehung. Bewusstsein wird nicht von unserem Gehirn erzeugt. Bewusstsein ist eine fundamentale, natürliche Kraft, die wir sowohl mit unserem Gehirn als auch mit unseren Sinnen wahrnehmen können. So ziemlich auf die gleiche Weise wie wir Gravitation und all das wahrnehmen.

Bewusstsein ist eine Manifestierung dieser Kraft, aber nicht die Einzige. Alles was wir um uns herum begegnen, ist auf irgend eine Art und Weise am Leben. Das alles sind Manifestierungen eines grundsätzlichen Etwas. Dogen schrieb darüber in seiner Abhandlung Inmo (Es), was ich in meinem Buch in „It Came from Beyond Zen“ übersetzt habe, diese Übersetzung ist auch der Titel meines Buches. (Das ist doch mal eine unverschämte Schleichwerbung, oder?) Dogen dachte es wäre besser diesem Etwas keinen Namen zu geben, aus diesem Grund benutzt er ein Wort das grob übersetzt „Es“ bedeutet. Andere nennen dieses etwas „Gott“ Aber dieses Wort ist ziemlich überladen.

Die Tatsache dass ich als fühlendes Wesen existiere sagt mir, dass dieses Grundsätzliche Etwas sich selbst durch die Existenz fühlender Wesen erfahren möchte. Für mich ist menschliches Leben auf kosmischer Ebene bedeutsam. Das Universum ist nicht gleichgültig. Natürliche Kräfte sind weder Blind noch Sinnlos. Und menschliches Bewusstsein ist kein Fehler.

Ich weiß, diese Ansicht lässt sich schwer verteidigen. Ich bin mir bewusst es wäre einfach zu beweisen, dass ich mit dem was ich gesagt habe falsch liege. Dennoch weiß ich, so einfach ist es nicht.

Das Problem ist, den ultimativen Sinn des Lebens und das Universum mit all seinen Geheimnissen zu entschlüsseln, wird dem menschlichen Verstand niemals möglich sein. Ich kann nicht wissen was der Sinn des Lebens ist, weil der eigentliche Kern vom Sinn des Lebens Unerkennbarkeit ist. Wissen ist eine Art Dinge zu limitieren, trotzdem ist der Sinn des Lebens, das Universum und alles darin Enthaltene ohne Limitierung.

Aber dieses limitierungslose Etwas ist nicht nur das Universum, sondern die Bedeutung des Universum das innig mit dir verbunden ist. Tatsache ist, es ist mehr „du“ als du es jemals sein könntest.