Warum ich nicht wegen des Pariser Klimaschutzabkommens ausflippe

Bitte zu beachten, dass dieser Artikel „Warum ICH nicht ausflippe…“ betitelt ist und nicht „Warum DU nicht ausflippen solltest…“. Denn, was Du tust, ist Deine Sache.

Ich bin nicht mehr oft auf Facebook. Aber nachdem Trump erklärte, er würde für die USA das Pariser Klimaschutz-Abkommen aufkündigen, habe ich ‚mal wieder einen Blick gewagt. Um genau das zu sehen, was ich erwartet hatte: Ein Haufen meiner Freunde veröffentlichte Wuttiraden darüber, wie furchtbar das wäre, wie Trump das Schicksal der Kinder und des Planeten ignoriere, wie wir jetzt alle am Arsch wären, etc., etc…

Aber ich empfand alle diese Emotionen selber gar nicht. Weder war ich froh über diese Nachrichten, noch erfüllten sie mich mit tiefer Verzweiflung.

Ich bin nicht von Menschen beeindruckt, die behaupten der Klimawandel sei erfunden. Klar, dass es den gibt und klar: Er ist ein Problem! Ich bin auch nicht von jenen beeindruckt, die behaupten der Mensch hätte daran keinen Anteil. Klar: Er hat. Diese Argumente sind offensichtlich dumm oder basieren auf mangelnden Informationen. Sich damit auseinander zu setzen, ist verschwendete Zeit.

Aber ich bin auch nicht beeindruckt von der Gegenseite, die jedermann und jederfrau verteufelt, die an der Strategie hinter dem Klimaschutz-Abkommen zweifelt; die hinterfragen, ob solche Vereibarungen leisten können, was sie versprechen oder über diejenigen, die erforschen, ob die Gegner des Abkommens vielleicht andere Motive haben, als unseren Planeten zu retten. Und so weiter und so fort.

Und ich bin nicht beeindruckt, von denen, die jegliche Zweifler als „Klimawandelleugner“ abstempeln. Viele dieser sogenannten „Leugner“ bezweifeln den Wandel nicht einmal, nur die Art und Weise, wie wir damit umgehen. Auch von jenen, die ständig behaupten, die Wissenschaft würde dieses oder jenes „beweisen“, selbst wenn deutlich wird, dass sie noch weniger von wissenschaftlichen Erkenntnissen verstehen als ich. Auch diese Argumente sind offensichtlich dumm oder basieren auf mangelnden Informationen und sind deswegen auch nicht wert, genauer betrachtet zu werden.

Ich traue weder dem Präsidenten Donald Trump (…eigentlich habe ich nie einem Präsidenten vertraut) noch den Mainstream-Medien (…denen ich traute, bevor ich ein Teil davon wurde und mir klar wurde, wie unecht das alles ist).

Wenn ich solche Sachen sehe, frage ich mich selber: Woher weiß ich, dass Donald Trump sich irrt und Bill Nye, der Wissenschaftlertyp recht hat? Oder umgekehrt.

Die Antwort: Keine Ahnung.

Nächste Frage: Wie finde ich das heraus?

Die Antwort auf diese Frage ist leicht gesagt, aber schwer getan. Man müsste erst einmal den Sachverhalt untersuchen. Man müsste erst einmal das Pariser Klimaschutz-Abkommen lesen – das ganze – und ebenso vielfältige Quellen zum menschlichen Beitrag zum Klimawandel studieren und dann die verschiedenen Meinungen abwägen. Dann, erst dann, könnte ich beurteilen, ob das Abkommen eine gute Idee ist oder eine schlechte.

Selbst dann, was könnte ich dann tun? Ich könnte meine Erkenntnisse hier ergießen. Das lesen ja schon ein paar tausend Leute, das könnte ein bisschen Einfluss haben. Aber wahrscheinlich keinen großen. Leute lesen das hier nicht, um über den Klimawandel oder Politik belehrt zu werden.

Die meisten Menschen verlassen sich bei solchen Fragen auf Experten, denen sie vertrauen. Neil De Grasse Tyson denkt, es ist keine gute Idee, aus dem Abkommen auszusteigen. Na, der kennt seine Wissenschaft und er scheint keine versteckten Motive zu haben. Aber versteht er sich auf Politik?

Scheint so, als ob die wissenschaftlich Orientierten das Abkommen eher gut finden. Und trotzdem scheinen die politisch Orientierten da so ihre Zweifel zu haben. Die sind anscheinend der Meinung, dass das Abkommen nicht gerade viel leistet, wenn es darum geht, die Klimaverschmutzer zur Verantwortung zu ziehen.

Nur als Beispiel: Es wurde viel darüber geschrieben, dass nur Syrien und Nicaragua dem Abkommen nicht beigetreten sind. Ich habe das ‚mal bei Wikipedia nachgeschlagen (die auch nicht 100% vertrauenswürdig ist) und da stand: „… der nicaraguanische Diplomat Paul Oquist kritisiert, dass das Pariser Abkommen die Länder, die ihm nicht folgen nicht bestraft. Er erklärte, dass Nicaragua seine eigene Klimapolitik verfolgen würde, deren Ziel es ist bereits 2020 zu 90% auf erneuerbare Energien zurück zu greifen.“ Und Syrien trat nicht bei, weil die sich gerade um ihren eigenen Scheiß kümmern müssen – ist ja verständlich.

Trumps verlautbarte Gründe, weswegen die USA das Abkommen verlässt, weil es die Staaten Arbeitsplätze kostet und weil, selbst wenn alle Staaten ihm folgen würden – was nicht gewährleistet ist, da es ja unverbindlich ist – nicht wirklich viel ändern würde. Ich habe gute Argumente gegen diese Art des Denkens gesehen, aber auch gute dafür. Die Argumente gegen Trumps Vorgehen scheinen mir insgesamt zwingender, aber einige Argumente die Trump unterstützen, sind nicht unvernünftig.

Mein Problem ist, dass viele derjenigen die gegen Trumps Positonen argumentieren – und zwar gegen absolut alle – das tun, weil es sich besser an ihr Publikum verkaufen lässt. Und natürlich, dass diejenigen, die für Trumps Entscheidung argumentieren, oftmals mit fossilen Brennstoffen ihr Geld verdienen und schon deshalb fragwürdige Motive haben. Weiterhin darf man ruhig annehmen, dass auch Trumps eigenes Investment in eben solche Firmen Einfluss auf seine Entscheidung hatte.

Und, was bedeutet das für den kleinen, alten Brad, der hier in LA in der Hitze sitzt und Bücher und Blogposts tippt und seine Hörbücher aufnimmt?

Zum einen wird mir klar, dass mein Ausflippen wegen des Austritts wohl kaum großen Einfluss hätte auf den Klimawandel. Aber dafür hätte es einen großen Einfluss auf meinen mentalen Klimawandel. Anders ausgedrückt, verstehe ich nur sehr wenig davon, was hier wirklich auf dem Spiel steht. Ich verstehe die Wissenschaft dahinter, aber habe keine Ahnung von der politischen Seite. Alles, was ich behaupten könnte, hätte wohl nur eingeschränkten Wert. Es macht also kaum Sinn, deswegen auszuflippen.

Wir neigen dazu, uns aufzuregen, wenn wir in den Nachrichten hören, dass sich die Dinge gegen das entwickeln, was wir für das Richtige und Beste für diesen Planeten halten. Aber wenn man seinen eigenen Vorstellungen gegenüber skeptisch ist, dann wird man auch skeptisch gegenüber der eigenen Aufregung, wenn diese in Frage gestellt werden.

Ich habe in der Vergangenheit schon viel Energie verschwendet, indem ich mich über Dinge aufgeregt habe, die ich in den Nachrichten gehört habe. Tatsächlich habe ich schon wegen Ronald Reagans Umweltpolitik rumgepöbelt als ein Haufen der Leute, die meine Sachen hier lesen, noch nicht einmal geboren waren. Erinnert sich noch jemand an James Watt, Reagans Innenminister, der den Standpunkt vertrat, es wäre egal, was wir dem Planeten antun, weil in ein paar Jahren sowieso der Jüngste Tag anbricht? Wegen diesem Typen ist mir so manche Ader geplatzt.

Heutzutage bin ich nicht mehr so selbstgefällig bei solchen Themen. Und doch habe ich das Gefühl, ich der Sache eher dienen, wenn ich hier erkläre, warum ich eben nicht ausflippe, statt in den sozialen Medien hässliche Kommentare über Trump zu posten.

Keine Ahnung, ob mir jemand zuhört. Ich habe den Verdacht, dass ich nicht gerade bedeutsam bin. Aber ich glaube, es wäre besser, wenn weniger Menschen einfach nur hinnehmen, was ihre uninformierten Freunde oder die Massenmedien oder selbstgerechte Politiker so behaupten, sondern sich statt dessen mal in die Komplexität eines Themas wie den Klimawandel vertieften. Dann hätten wie statt uninformierter Hitzköpfe vielleicht ein paar mehr Leute, die informiert sind, cool bleiben und sachlich miteinander diskutieren, um zu besseren Lösungen zu kommen.

Traurigerweise bin ich auch skeptisch, dass genau das bald passieren wird.