Doctor Who, Dogen, und das Fermi Paradox (oder Frohes neues Jahr 2018)

Jesus! Es ist 2018. Es ist wie in Blade Runner oder sowas. Nein warte. Blade Runner kommt erst nächstes Jahr. Wir sollten besser anfangen an Androiden und Kolonien auf fremden Welten zu arbeiten.

Ich verbrachte Weihnachten bei meiner Schwester, ausserhalb von Nashville. Während ich dort war, schaute mein Neffe und ich Episode Eins von Doctor Who. Während dieser Folge erklärt der Doktor die Natur der Zeit wie folgt: “Das vergehen von Zeit ist eine Illusion und das Leben ist der Magier, weil Zeit dich nur einen Tag auf einmal sehen lässt. Du erinnerst dich daran gestern am Leben gewesen zu sein, also hoffst du morgen ebenfalls noch am Leben zu sein. Es kommt dir vor als würdest du von einen zum nächsten reisen, aber niemand bewegt sich irgendwo hin. Filme bewegen sich auch nicht wirklich, sie bestehen nur aus Bildern – viele, viele Bilder, jedes Einzelne starr, kein einziges Bewegt sich, es sind nur eingefrorene Momente. Aber wenn du diese Bilder nacheinander siehst, erwacht alles zum Leben.”

Das klingt erstaunlich nah der Erklärung meines Lehrers Gudo Nishijima über die Natur der Zeit. Er benutzte sogar die gleiche Metapher von den Bildern/Frames im Film. Nishijima hat seine Ideen von Dogen, der in Shukke Kudoku sagte, dass jeder Tag aus 6,400,099,180 individuellen Momenten besteht. Jeder Moment ist sein eigenes unendliches Universum. Jeder einzelne geht so schnell vorüber, wir können es nicht mal begreifen.

In seinem Aufsatz Uji (Zeit-Sein), schreibt Dogen: “Weil [wirkliche Existenz] nur dieser eine exakte Moment ist, sind alle Momente der Zeit-Existenz die Gesamtheit der Zeit. Alle existierende Dinge und alle existierende Phänomene sind Zeit. Die Gesamtheit der Existenz und die Gesamtheit des Universums, existieren in individuellen Momenten der Zeit.”

2017 war das gesamte Universum. 2018 ist das gesamte universum.

Wenn ich mir ein Sandwich mache bin ich erstaunt dass Sandwiches existieren. Wie unwahrscheinlich ist das? Wie verblüffend ist es an einem Ort zu existieren in dem es Sandwiches gibt. Überall sonst im Universum wird es wohl keine Sandwiches geben. Sandwiches können auf den meisten Planeten nicht mal existieren. Dort gibt es kein Getreide mit dem man Brot machen könnte. Dort gibt es keine Magnetosphäre und eine Ozonschicht die gefährliche Strahlung abwehren könnte und eine stabile Atmosphäre entstehen lässt, die viele Millionen Jahre existiert so dass Getreite überhaupt wachsen könnte. Dort gibt es keine Geschöpfe die in der Lage wären ein Sandwich zu machen. Es gibt dort weit und breit für Milliarden von Lichtjahren, keine Erdnussbutter.

Während der Feiertage las ich das Buch “Where is Everybody: Fifty Solutions to the Fermi Paradox and the Problem of Extraterrestrial Lifevon Stephen Webb. Was ich nicht wusste ist, dass es eine Überarbeitete Version gibt, die sich mit fünfundsiebzig Lösungen für das Fermi Paradox beschäftigt. Das muss ich mir jetzt wohl auch noch kaufen.

Das Fermi Paradox ist eine Frage die von Enrico Fermi gestellt wurde. Er sagte die Erde sei scheinbar nicht Einzigartig. Es müsse viele solcher Planeten geben. Und wenn das so ist, muss es auch viele Zivilisationen wie unsere geben. Da das Universum so extrem alt ist, muss es tonnenweise solcher Zivilisationen geben, die viel älter und fortschrittlicher als unsere ist. Wenn das der Fall ist, warum sehen wir keine Beweise dafür?

Wie dem auch sei, am ende des Buches – Warnung ich verrate nun wie das Buch endet – Webb kommt zu dem Schluss dass es sehr Wahrscheinlich ist, dass unsere Zivilisation tatsächlich einzigartig ist. Er vermutet dass es vielleicht keine anderen technologisch fortschrittliche Zivilisationen gibt. Weder in unserer noch in irgendeiner anderen der unzähligen Galaxien.

Er ist der Meinung Leben sei weit verbreitet und dass wir woanders vielleicht andere Lebensformen finden könnten, sogar im eigenen Sonnensystem. Er vermutet dass es massig Pflanzen und Tiere gibt – oder etwas das Pflanzen und Tieren ähnlich ist – überall in der Galaxie. Manche von ihnen sind evtl. Sogar intelligent- Aber er glaubt, dass Kreaturen wie wir, die komplexe technologische Gesellschaften erbauen, die zu anderen Planeten reisen und sich fragen ob es Kreaturen wie wir existieren, extrem selten sind.

Dafür bringt er ein sehr überzeugendes Argument vor. Es ist unmöglich in ein paar Worten zusammenzufassen. Aber es basiert auf der Erkenntnis, dass Menschenähnliche Kreaturen nicht das zwingende Resultat der Evolution sein müssen, dass schon alleine die Existenz eines Planeten mit konsistenter Temperatur und Atmosphäre fähig Leben zu unterstützen, sehr unwahrscheinlich ist. Das selbst so scheinbar unwichtige Dinge, wie die Tatsache dass unser Planet für seine eigene Größe einen so großen Mond hat um Kreaturen überhaupt erst entstehen lassen zu könne, und so weiter.

Buddhisten sagen es sei ausserordentlich selten als menschliches Wesen geboren zu werden. Sie sagen, als Mensch zur Welt zu kommen ist die beste Ausgangsposition die Wahrheit zu erkennen. Vielleicht haben sie recht.

Vielleicht ist das ganze weite Universum in keinster Weise wie wir.

Vielleicht gibt es nirgends Sandwiches ausser bei uns.

Selbst wenn Stephen Webb falsch liegen sollte und selbst wenn wir herausfinden sollten dass das Objekt das Tabby’s Star umrundet eine Dyson Sphäre ist oder ein gigantisches Abwehr Schild, das Strahlen einer Super Nova von einer Zivilisation auf dem Planeten fernhalten soll, denke ich dass die Buddisten recht hatten: Menschliches Leben ist wertvoll und selten. Jeder Tag an dem ich am leben bin, staune ich über das Leben selbst. Über Sandwiches und Busse, über Ameisen und Artischocken, über Müsli und Schnecken… Es ist alles so verdammt unbeschreiblich.

Also frohes neues Jahr alle miteinander. Ich hoffe dieses Jahr wird ein gutes Jahr für euch!